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Happily divorced - (wie) GEHT DAS?

Aktualisiert: 17. Juni


Die Antwort ist: Ja

Ich sprach mit einer Frau, die es meiner Meinung nach ist

und sie erzählt uns wie


Ich durfte Rebecca (Name geändert) seit ihrer Trennung begleiten und nun, drei Jahre später, sehe ich es ihr an: Es geht ihr und ihrem Ex-Mann wirklich gut, auch den Kindern. Sie sagt sogar:

„Die Trennung war für uns beide wichtig und wir haben uns beide sehr weiterentwickelt. Das war das Beste, was uns passieren konnte“.

Sie hat viel über sich gelernt und viele Traumata aus ihrem Elternhaus entdeckt, von denen sie vor der Therapie nichts geahnt hatte. Auch ihr Ex beschäftigt sich viel mit Psychologie und sagt heute zu ihr Sachen wie:

„Ich verstehe dich jetzt viel besser.“ „Es wird mir bewusst, wieviel du gemacht hast. Wie hast du das nur geschafft?“.

Sehr wohltuende Worte für eine arbeitstätige Mutter, nicht wahr? Aber warum muss man sich erst trennen, um Aussagen wie diese zu hören?


Ich möchte mich in diesem Blog-Artikel mit den Fragen auseinandersetzen,

  • wie man die Trennung meistern kann, so dass danach wieder ein glückliches Leben möglich ist,

  • ohne die gleichen „Fehler“ mit dem nächsten Partner zu wiederholen. 


Für meine Arbeit als Paartherapeutin und Familienberaterin sind genau diese Punkte die wichtigsten – neben der Frage, wie das Co-Parenting mit nur möglichst wenig Schaden für die Kinder gelingen kann.


Aber erstmal etwas Theorieinput aus der Paartherapie meinerseits dazu, bevor ich erzähle, wie Rebecca ihre Trennung meistert.

 

Nur zur Klärung - eine „gelungene Trennung“ bedeutet nicht, dass niemand leidet. Das bleibt niemandem erspart. Du hast möglicherweise bereits meinen Blog-Beitrag zum Thema „Rosenkrieg“ gelesen und weißt – diese erste Phase muss offenbar bei vielen (nicht bei allen) sein. Nur je kürzer sie andauert, desto besser. Irgendwann kommt die Erkenntnis, dass die dauerhaften Schuldzuweisungen und Verletzungen niemanden weiterbringen. Der Wunsch nach Glück auch nach der Trennung macht sich breit.


In der Paartherapie sagt man, dass es vier Zeichen dafür gibt, dass jemand über die Trennung hinweg ist. Sie können auch als Ziele dienen.

 

1. Sich selbst und dem Partner keine Schuld geben

Ähnlich wie die Schuldzuweisungen an die eigenen Eltern sollte man auch hier verstehen und verzeihen – dem Partner und sich selbst. Z.B. so:

„Wir wussten es beide nicht besser, wir haben leider nie gelernt, zu sagen, was wir brauchen“ oder „Es trifft niemanden eine Schuld, wir waren beide überfordert und unfähig, über unsere Gefühle und unerfüllten Bedürfnisse zu sprechen.“

 

Für das Verstehen, warum es Dir oder Deinem Ex nicht möglich war, ein besserer Partner zu sein, bin gerne ich zuständig. Für mich wird es relativ schnell ersichtlich, wie und warum es zur aktuellen Krise gekommen ist. Gerne zeige und erkläre ich es Euch. Diese neuen Erkenntnisse werden das Ganze oft in neues Licht für Euch rücken. Das Ergebnis danach ist wieder offen…

 

Für den nächsten Schritt, nämlich für das Verzeihen, braucht es dagegen eine gewisse Größe Eurerseits. Hier ist es sehr individuell, ob/inwieweit/wann jemand dazu bereit ist.

 

2. Darüber trauern, dass es nicht gelungen ist

Viele Menschen versuchen nach einer Trennung möglichst schnell stark zu wirken. Sie behaupten gern, es gäbe nichts zum Trauern oder sogar, dass es ihnen nie besser gegangen sei. Doch Abschiede brauchen Trauer. Sie verdienen diese! Schließlich endet nicht nur eine Beziehung, sondern oft auch der gemeinsame Traum für eine glückliche Familie sowie ein gewichtiger Lebensabschnitt, der einem Sicherheit, Halt und möglicherweise auch Sinn gegeben hat.

 

Diesem Schmerz darf Raum gegeben werden. Wer trauern kann, verarbeitet den Verlust gesünder und auch nachhaltiger. So holt uns später der Schmerz nicht ein. Trauer ist Ausdruck der großen Bedeutung der Beziehung, ein Ausdruck der Anerkennung.

 

3. Anerkennen: „Ich habe Dich geliebt und Du hast mir viel gegeben.“- Die gemeinsame Zeit mit Liebe und Achtung bewahren

 

Auch wenn eine Beziehung endet, verliert die gemeinsame Zeit nicht ihren Wert. Viele Paare vergessen im Schmerz der Trennung alles Gute, das einmal zwischen ihnen existiert hat. Es ist daher wichtig, sich zu erinnern, dass es Liebe war, was die zwei zusammengebracht und lange verbunden hat. Man sollte auch fair sein und sich bewusst machen, was die Beziehung einem alles ermöglicht hat. Ein wichtiger Schritt kann deshalb sein, sich gegenseitig anzuerkennen:

„Ich habe Dich geliebt.“ „Du hast mein Leben bereichert.“ „Es gab schöne und wertvolle Zeiten. Ich behalte das Gute mit Dankbarkeit.

 

Diese Einstellung verändert die innere Haltung. Die Probleme sollen nicht geleugnet werden, aber es wird durch sie möglich, die gemeinsame Geschichte in ihrer Ganzheit zu würdigen. Es ist das Zeichen von großer Reife, einen Menschen loszulassen, ohne ihn innerlich abzuwerten.

 

4. Den eigenen Anteil an den Problemen übernehmen

Eine achtsame Trennung bedeutet auch, Verantwortung für den eigenen Anteil zu übernehmen – ohne die Last des anderen mitzutragen.

Das bedeutet gegenseitig zueinander zu sagen:

„Für das, was schiefgelaufen ist, übernehme ich meinen Teil der Verantwortung – und lasse den Deinen bei Dir.“

Diese Haltung schützt davor, entweder in Selbstanklagen oder in dauerhaften Vorwürfen stecken zu bleiben. Sie stärkt die emotionale Eigenverantwortung und eröffnet die Möglichkeit, aus der Beziehung zu lernen.

 

Wer den eigenen Anteil erkennt, entwickelt sich weiter. Wer dem anderen seinen Anteil lässt, wahrt Grenzen und Respekt und schützt sich vor Überlastung. Diese feinen Unterschiede werden in der Paartherapie erläutert, damit etwas sehr Wertvolles entsteht – Lernen.

 

Ansonsten passiert genau das, was wir bei anderen bereits so oft beobachtet haben – man wechselt den Partner und wiederholt das Ganze von vorne mit jemandem anderen. Bis man zum selben Punkt gelangt und wieder nicht weiterkommt.

 

Jedoch mit viel Reflexion, offenen Gesprächen und am besten mit professioneller Hilfe kann man aus einer gescheiterten Beziehung / Ehe sehr viel über sich selbst lernen und sich weiterentwickeln. Diese Chance sollte man unbedingt nutzen.

Und erst danach ist man wirklich frei und kann wieder ein glückliches Leben führen.


Auf jeden Fall hat es Rebecca geschafft. Auf die Frage „wie“ antwortet sie:

„Ich habe gleich zu Beginn klargemacht, dass ich nicht geldgierig bin, auch die Kinder werde ich ihm nie vorenthalten.“ 

Damit nahm sie den beiden größten Streitthemen früh die Schärfe. Sie verzichtete sogar auf einen erheblichen Geldbetrag – mit der Begründung, dass er in der Tat deutlich mehr mit in die Ehe gebracht hatte als sie.


 „Eine Trennung erfordert so viel Kraft. Ich wusste, jeder hat eine begrenzte Menge an Kraft. Und meine brauchte ich, um mich aufzubauen.“

Eine weitere Erkenntnis aus ihrer Erfahrung ist:


„Achte darauf, mit wem du dich in der Trennungsphase umgibst!“

Es sollten Menschen sein, die Dich nicht zum Kampf anstiften, sondern lösungsorientiert und Euch beiden gegenüber wohlwollend sind. Freunde und Familienmitglieder sind in diesem Lebensabschnitt unabdingbar, sie können aber (oft unbewusst) zu schlechten Berater*innen werden. Gute Berater*innen sind m.E. Menschen (inkl. Paartherapeuten, Mediatoren etc.), die einen in der Trennungsphase unterstützen, mit dem Ex im Gespräch zu bleiben.


Ich hörte von einem Paar, dass es 70.000 Euro für Scheidungsanwälte ausgegeben hat. Stell Dir vor, sie hätten sich nach vielen Gesprächen außergerichtlich geeinigt und das Geld in Aktien, ETFs, Gold oder sonstige Anlageformen investiert. Für was hätten sie das Geld wohl dann ausgegeben? Für die Kinder? Für Luxusurlaube? Therapeutisches Shopping? Ein Häuschen auf dem Land? Schönheits-OPs? Was auch immer das Herz für einen Neuanfang begehrt…


Ich bin jedenfalls der Meinung, dass das Geld von Paaren in der Trennung viel besser in Paartherapie investiert ist als in einen rechtlichen Streit. Was meinst Du?

 

Fazit

Nicht jede Beziehung kann gerettet werden. Aber jede Trennung kann menschlicher, bewusster und würdevoller gestaltet werden. Wenn Schuldzuweisungen weichen, Trauer zugelassen wird und gegenseitige Achtung erhalten bleibt, entsteht die Chance, nicht nur auseinanderzugehen – sondern innerlich Frieden zu finden.


Denn manchmal zeigt sich die tiefste Form von Liebe nicht darin, festzuhalten, sondern darin, respektvoll loszulassen.

 

 
 
 

2 Kommentare


huelyaanil
11. Juni

Praxisorientierte Erkenntnisse,

Eine Trennung ist eine Chance sich näher zu kommen und aus den Erfahrungen zu lernen!

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Antwort an

Auf jeden Fall! Es gibt Paare, die sich erst trennen mussten, um sich danach näher zu kommen. Manchmal ist eine Trennung eher der Hilfeschrei, um ernst genommen zu werden, um gehört zu werden. Wenn man diese Chance erkennt und gut nutzt, kann es danach noch schöner werden.

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